In wenigen Tagen neigt sich das Jahr 2009 seinem Ende entgegen und im Rückblick kann man sagen, es war ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Jahr.
War zum Jahresanfang angesichts dramatisch eingebrochener Auftragseingänge in allen Sparten der Eindruck vorherrschend, unsere Welt sei vollkommen aus den Fugen geraten, so können wir am Jahresende dankbar feststellen, dass wir dem Weltuntergang noch einmal entkommen sind und wir im letzten Quartal fast wieder zur Normalität zurückfinden dürfen.
Allerdings werden wir die Absatz- und Umsatzzahlen des Vorjahres nicht mehr erreichen - zu tief war der Absturz im 1. Halbjahr. Erst im nächsten Jahr können wir fast wieder zu den Zahlen von 2008 zurückfinden. Dies ist zumindest die Basis unserer aktuellen Planung für 2010.
Dass 2009 dennoch kein verlorenes Jahr für die Papierfabrik August Koehler AG war, belegt unser operatives Ergebnis, mit dem wir deutlich über dem Vorjahr liegen werden. Wir alle wissen, welche Ausnahme die August Koehler AG dabei darstellt, sowohl in der Region als auch in der Papierbranche allgemein.
Beispiellos in der Geschichte des Unternehmens war der Schulterschluss zwischen der Belegschaft, den Führungskräften und dem Vorstand zur Bewältigung der Absatzkrise im 1. Halbjahr. Die flexible Kapazitäts- und Arbeitszeitplanung in Verbindung mit den erleichterten Kurzarbeitsregelungen haben von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel abverlangt. Letztlich sind wir dadurch nicht nur finanziell unbeschadet, sondern auch gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Dafür gilt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die höchste Anerkennung und unser Dank.
Dass jede Krise auch eine Chance ist, konnten wir 2009 eindrucksvoll demonstrieren. Nicht zuletzt die Übernahme der Katz-Gruppe zum
01. Oktober aus der Insolvenz unterstreicht dies. Der Vorstand ist überzeugt, die Katz-Gruppe als Weltmarkführer im Bereich der Bierglasuntersetzer nach erfolgreicher Restrukturierung wieder auf die Erfolgsspur bringen zu können. Natürlich betreten wir dabei Neuland und sehen auch die Risiken im Kernmarkt der Katz-Gruppe. Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass Sanierungen ohne Einschnitte nicht möglich sind. Gleichzeitig sehen wir aber das Potential dieses Geschäfts mit einer deutlich breiteren Wertschöpfung als wir das in unseren fünf Papier-Sparten kennen, nämlich vom Fichtenrundholz zum fertig bedruckten Bierdeckel.
Das größte Potential liegt aber sicherlich in einer auf Nachhaltigkeit angelegten neuen Geschäftsstrategie, auf der wiedergefundenen Nähe zu den Kunden und einer starken Marke. So wird die Katz-Gruppe zunächst nicht die 6. Sparte der Koehler-Gruppe, sondern bleibt eine eingenständige Geschäftseinheit unter dem Dach der August Koehler AG.
Viele von uns fragen sich, was wird im nächsten Jahr noch auf uns zukommen, sind wir wirklich schon durch die Krise hindurch gegangen und können wir nächstes Jahr wieder da weitermachen, wo wir im September 2008 gestoppt wurden?
In der Tat prognostizieren viele Wirtschaftsexperten, und nach einigem Zögern auch die Bundesregierung, wieder Wachstum in 2010. Auch der Vorstand glaubt, dass momentan der Abschwung der wirtschaftlichen Leistun überwunden ist und wir 2010 wieder moderat wachsen können. Nichtsdestotrotz dürfen wir die Augen nicht vor den Risiken für das zarte Pflänzchen Aufschwung verschließen. Die staatlichen Hilfen haben bisher dazu beigetragen das Schlimmste zu verhindern. Wir wissen aber auch um die Endlichkeit solcher staatlichen Eingriffe. Im nächsten Jahr werden primär die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft gefragt sein und darunter kann die Beschäftigung leiden. Somit lassen deutlich höhere Arbeitslosigkeit, zunehmende Insolvenz und restriktiv agierende Finanzmärkte nicht viel Luft für Wachstum. Die Exportnation Deutschland braucht demnach vor allem Impulse von außen, der Exportmotor muss unbedingt wieder anspringen. Einige Schwellenländer geben Grund zu vorsichtigem Optimismus. Die große Unbekannte wird die USA sein, die größte Volkswirtschaft der Welt, die momentan in der tiefsten Rezession seit den 30er Jahren steckt.
Die Auswirkungen der Rezession in den USA auf unseren Thermopapierabsatz hielten sich aber in Grenzen und seit dem 3. Quartal sind wir wieder auf Wachstumskurs. Damit wird die Bedeutung unseres wichtigsten strategischen Projekts, die neue Thermopapierkapazität in den Staaten, erneut bestätigt.
So war das Projektteam in den letzten Monaten nicht untätig und wir dürfen heute feststellen, dass die im Sommer begonnenen Gespräche mit einem Partner aus der amerikanischen Papierindustrie vielversprechend verlaufen. Die Schlüsselfrage ist und bleibt die Kostenführerschaft und nur wenn wir sicher sein können, dies nachhaltig zu erreichen, werden wir das Projekt freigeben.
Begleitend benühen wir uns intensiv, die Kapitalausstattung der Koehler-Gruppe zu verbessern. Dazu zählt die Verdopplung des haftenden Kapitals genauso wie die Aufnahme der Familie Fritz Holzhey, einen in der Papierwirtschaft sehr bekannten Investor und langjährigen Freund des Hauses Koehler und der Familien Furler.
Neben dem erfreulichen Cash Flow des laufenden Jahres helfen diese Maßnahmen bei unseren Hausbanken, das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Koehler-Gruppe weiter auzubauen. Die vor uns liegenden Aufgaben werden nämlich auf jeden Fall den Zufluss von Fremdkapital erfordern.
Dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben, belegt auch die Tatsache, dass 2009 jede unserer fünf Sparten deutlich positive Ergebnisse erwirtschaftet hat und dies in einem schwierigen Umfeld.
Sie entnehmen meinen Ausführungen, dass wir 2010 eben nicht da weitermachen werden, wo wir im September 2008 standen. Vielmehr ist es uns gelungen, aus dem Krisenjahr 2009 gestärkt hervorzugehen, mit starkem operativem Ergebnis, mit einer verbesserten Eigenkapitalstruktur und mit einer durch die Krise gestärkten Belegschaft. Dies sind die Voraussetzungen, auch im nächsten Jahr wieder erfolgreich zu sein und das Gesamtunternehmen weiter voran zu bringen. Ich lade Sie alle ein zu dieser aufregenden Reise.
Werner Ruckenbrod,
Technischer Vorstand
